Aufschluss 3-2021 – Abstracts

Arno MÜCKE & VFMG
Zum Tode unseres Ehrenmitgliedes Dr. Jürgen Siemroth

Wir trauern um Dr. Jürgen SIEMROTH. Er war ein langjähriges engagiertes Mitglied der VFMG, den viele Sammler von seinen Mineralbestimmungen auf Börsen in Eppelheim(jetzt Walldorf) und München kennen. Mit diesem Nachruf sollen seine Verdienste um die VFMG nochmals gewürdigt werden. 

VFMG
Mineral des Jahres 2021: Der Calcit

Das Prädikat „Mineral des Jahres“ wird seit 2018 von der VFMG in Analogie zu den bereits länger existierenden Prädikaten wie Fossil oder Gestein des Jahres vergeben, mit dem Ziel die Bedeutung von Mineralien für Industrie, Gesellschaft, Kultur und Wissenschaften, besonders den Geowissenschaften, hervorzuheben. Für 2021 haben die Mitglieder der VFMG mit großer Mehrheit den Calcit gewählt. Neben der Formenvielfalt mit mehr als 100 Kristallformen mit über 1.000 verschiedenen Kristallkombinationen zeichnet sich der Calcit durch eine perfekte Spaltbarkeit aus. Die Entdeckung des Zusammenhangs zwischen Kristallstruktur und Spaltbarkeit wird als die Geburtsstunde der modernen Mineralogie bezeichnet. Die wirtschaftliche Bedeutung des Calcits ist vielfältig. Er wird im Haus- oder Straßenbau verwendet, bei der Produktion von Eisen und Stahl, Glas, Kunststoffen und Papier. Eine bedeutende Rolle spielt Kalk auch im Umweltschutz, zum Beispiel bei der Rauchgasreinigung.

Ingo SCHULZ, Walter HAJEK & Wilfried LIESSMANN
Die Südharzer Unterberg Grauwacke bei Ilfeld im Spiegelbild ihrer mineralogischen Schätze

Nahe des „Dreiländerecks“ von Sachsen-Anhalt/ Thüringen/ Niedersachsen befindet sich der bereits seit mehr als 100 Jahren in Abbau stehende Grauwacke-Steinbruch Unterberg. Der Tagebau erstreckt sich über etwa 30 ha und hat sieben Abbaustrossen. Er ist aufgrund der geförderten Grauwacke nicht nur volkswirtschaftlich interessant, sondern weckt auch aufgrund seines mineralogischen Inventars unter Geologen, Mineralogen und Mineraliensammlern außerordentlich
großes Interesse. Selbst wenn der Vielfalt des mineralogischen Inventars gewisse Grenzen gesetzt sind, wird dieses kleine Manko durch vorzufindende Ausbildungsformen und Trachten einzelner Mineralien, wie beispielsweise des Kalkspats, mehr als ausgeglichen. Im vorliegenden Beitrag wird das Grauwacke-Vorkommen am Unterberg mit seinen typischen Mineralien in Mikromount bis Handstück-Größe ausführlich vorgestellt und fotografisch dokumentiert.
Darüber hinaus widmet sich ein Kapitel der montanhistorischen Betrachtung der vormals am Fundort Unterberg ebenso stattgefundenen früheren Eisensteingewinnung der Grube „Bescheert Glück“ samt seiner heute wahrnehmbaren Relikte. 

Volker KAMINSKE & Werner WURSTER
Eisenkonkretionen im Pfälzerwald – Vorstellungen zu ihrer Entstehungsgeschichte

Am Beispiel des variablen Formenschatzes von Eisenkonkretionen werden deren jeweilige Bildungsbedingungen vorgestellt. Dabei wird für einige Formen die Möglichkeit einer stromatolithischen Herkunft diskutiert. Vorgänge und Baustruktur lassen die Möglichkeit einer solchen Deutung zu. Deren Auftreten unter den paläoökologischen Bildungsbedingungen des triassischen Buntsandsteins ist bisher aber nicht ausdiskutiert.

Diether GRÄF
Tiefbohr-Versuche auf Braunkohle in Oberschwaben im 19. Jahrhundert

In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts benötigte das Königreich Württemberg eigene Kohle-Vorkommen für die prosperierende Industrie und steigende Bevölkerung. In den Nachbarländern gab es in der Molasse Kohle-Vorkommen. Das gab es in kleinem Maßstab auch in Württemberg. Man schloss, dass in der Mitte des  Molassebeckens Kohle am ehesten vorhanden sein könnte und bestimmte Ochsenhausen als den passenden Ort für einen Bohrversuch. Von 1876 -1884 wurde hier mit den damaligen Mitteln gebohrt.
Die damals effektivste Methode unter den gegebenen geologischen Bedingungen war eine Freifallbohrung mittels eines schweren Meißels. Das Prinzip der Bohrung wird erläutert. Der Aufwand für eine erreichte Tiefe von 738 m war enorm, aber leider blieb der wirtschaftliche Erfolg aus. Wissenschaftlich allerdings konnte die Mindesttiefe der Molasse mit 738 m festgestellt werden und aus den Proben die von Probst 1888 postulierte „Dreiheit des Tertiär“ bestätigt werden: Untere Süßwassermolasse, Obere
Meeresmolasse und Obere Süßwassermolasse.


Hartmut STÖCKLE
Synchisit vom Steinbruch Hunold bei Dainrode – Ein Neufund von 2019

Der Steinbruch Hunold liegt bei Dainrode in Nordhessen am Rande des Kellerwaldes und wird seit vielen Jahren von der Firma Heinrich MÜTZE Bauunternehmen GmbH & Co. KG hauptsächlich zur Gewinnung von Schotter und Split betrieben. Im Rahmen einer Exkursion der VFMG-Sommertagung 2019 konnte hier ein von diesem Fundort bisher nicht bekanntes Mineral nachgewiesen werden – der Synchisit.

Jörg LIEBE
Historisches aus den Sammlungen unserer Mitglieder

Dieter NEUBAUER
Willemit auf rheinland-pfälzischen Amethyst- und Quarzkristalldrusen

Die zufällige Entdeckung intensiv grün fluoreszierender Lichtpunkte auf Amethystkristallen von Rockenhausen bei Betrachtung im kurzwelligen Ultraviolett war der Anlass, systematisch nach der Häufigkeit dieser Erscheinung zu suchen. Es zeigte sich, dass sie nicht selten an ähnlichen Fundstücken aus Vorkommen im Raum Landau – Idar-Oberstein – Alzey zu beobachten ist. Weil die Lichtpunkte ausnahmslos im langwelligen Ultraviolett verlöschen, scheiden Uranglimmer wie Autunit und die meisten anderen grün fluoreszierenden Mineralien als Verursacher aus. Es wird diskutiert, weswegen auch Quarz, Hyalit und Chalcedon ausscheiden, so dass schließlich Willemit als einziges Mineral übrigbleibt.

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